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Collmberg

 

Fährt man mit dem Zug von Leipzig nach Dresden, so lassen sich in der Landschaft zahlreiche Kuppen beobachten. Dazu gehören unter anderem die Erhebung bei Brandis und Beucha, die Hohburger Berge und der Collmberg mit seinen Nachbarbergen, dem Spitzcollm und dem Schlangenberg. Die meisten dieser Berge bestehen aus Quarzporphyr und anderen vulkanischen Gesteinen des Unterperm und sind somit ca. 290 Millionen Jahre alt.

Der höchste Berg des Gebietes ist allerdings der Collmberg mit 314 Metern ü NN. Obwohl es seine Form vermuten lässt, ist er jedoch nicht vulkanischen Ursprungs. Vielmehr gehört er zum Nordsächsischen Sattel und stellt damit einen Höhenzug des varistischen Gebirges dar. Die varistische Gebirgsbildung ist im Karbon vor ca. 300 Millionen Jahren anzunehmen. Seit dieser Zeit dominiert der Collm das Landschaftsbild Nordwestsachsens und stellt bis heute ein markantes Wahrzeichen der Leipziger Tieflandsbucht dar. Noch wesentlich älter ist das am Collm aufliegende Gestein. Hier lässt sich ca. 500 Millionen Jahre alte präkambrische Grauwacke (ein Ablagerungsgestein der Urmeere) finden. In Steinbrüchen rund um den Berg abgebaut, wurde sie einst von den Bauern der Umgebung als Baumaterial genutzt. Der Steinbruch an der Südwestseite des Berges ist heute als geologisches Naturdenkmal ausgewiesen und lässt einen Einblick in die geologische Entwicklung unserer Region zu. Für den Menschen hatte der bewaldete Collmberg immer etwas Anziehendes an sich. Im Mittelalter bot er Schutz vor Überfällen. Außerdem führten in den Jahren 1185 bis 1259 die Meißner Landgrafen am Fuße des Collm ihre Landtage – damals Landdinge (oder Landthinge) genannt – durch. Zur Zeit August des Starken waren die Wälder um den Collm, auf dem 1710 ein kurfürstlicher Jagdpavillon errichtet wurde, oft ein Tummelplatz des Vergnügens.

Zahlreiche Saujagden sind überliefert. Bereits im 17. Jahrhundert gedachte der Kurfürst Johann Georg der I. von Sachsen, dem die Jagd im Wermsdorfer Wald sehr zusagte, dem Collm ein Gebäude zu geben. Ein Turm zur Hirschfeist sollte es sein, bestehend aus zwei steinernen quadratförmigen Geschossen mit 27 Ellen in der Höhe und 48 Ellen im Umfang und zum Schmuck ein vergoldeter Kopf mit dergleichen Fahne. Der Dreißigjährige Krieg verhinderte allerdings die Bauausführung. Der Gedanke an einen bekrönten Berg verschwand jedoch nicht ganz aus den Köpfen der Menschen. Im April 1853 erschien eine öffentliche Bitte um freiwillige Spenden für die Erbauung eines massiven Turms und bereits am 08.08.1853 konnte die Grundsteinlegung erfolgen. Nach nur einem knappen Jahr Bauzeit wurde der Turm auf den Namen des beliebten Prinzen und später Königs Friedrich August Albert getauft und seiner Nutzung übergeben. Besucher können von der Plattform mit einem weiten Rundblick die Vielfalt und Schönheit des Wermsdorfer Waldes, der angrenzenden Dahlener Heide, der Fluren, Teiche, Städte und Dörfer der näheren Umgebung bewundern. Der Albertturm besitzt unter der Plattform Räume in drei Etagen. Die oberste Etage diente der Forstwirtschaft viele Jahre als Feuerwachturm. In der mittleren Etage war von 1949 bis 1963 eine Wetterstation des Meteorologischen Dienstes Dresden untergebracht. Die untere Etage wurde von 1953 bis 1963 von der Deutschen Post genutzt. Heute findet keine Nutzung im Turm statt. Mit beginn der 50er Jahre eroberte das Fernsehen die Welt. Auch dabei hatte der Collm eine große Bedeutung. Die Deutsche Post schaltete im September 1953 zur Leipziger Herbstmesse die erste Übertragung über den Collmberg. Damals überwachte eine Abteilung der Deutschen Post aus der ersten Etage des Albertturms und einer benachbarten Baracke den Betrieb einer Richtfunkstrecke. Mit der Inbetriebnahme eines 40 m hohen Gittermastes in unmittelbarer Nachbarschaft des Albertturms wurden mehrere Richtfunkstrecken in Betrieb genommen und die Übertragungsqualität verbessert. Auch dieser Turm genügte den Anforderungen nicht lange und somit begann 1958 der Bau des neuen Funkturmes. Leider war er nicht Begehbar. Im Juli 2004 errichtete die Telekom innerhalb weniger Wochen einen Stahlbetonmast aus einzelnen Segmenten und setzte diesem einen 40 m hohen Gittermast auf. Vom Juli 2004 bis März 2005, dem Abrissbeginn des alten Turmes, standen demzufolge erstmals drei massive Türme auf dem Gipfel. Seit Juli 2005 ist der alte prägende Turm verschwunden.

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